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Estremadura

Sobald man Lissabon in nördlicher Richtung verlassen hat, betritt man eine einzigartige Weinwelt. Einst wurden hier Weine mit Weltruf erzeugt. Vor allem die Weißweinenklave Bucelas hatte ihren ruhmreichen Höhepunkt im 19. Jahrhundert, als Duke Wellington die Weine am Hofe von George III. einführte. Die Rotweine aus Colares, mit viel Glück vor der Verwüstung durch die Reblaus gerettet, zählten einst zu den besten der Welt.

Subregionen

Estremadura erstreckt sich von Lissabon bis Coimbra und beheimatet zugleich mehrere Subregionen: Encostas de Aire, Alcobaça, Lourinhã, Óbidos, Alenquer, Arruda, Torres Vedras, Bucelas, Colares, Carcavelos.

Landschaftlich hat Estremadura außergewöhnlich viel zu bieten. Entlang der Küste weitläufige verwaschene Sanddünen und sattes, ja opulentes Grün im Hinterland. In vielerlei Hinsicht erinnert die Region an die Toskana oder die Provence. Die Weine des drittgrößten Weinbaugebiets Portugals sind dabei, ihren früheren Glanz wiederzuerlangen. Insgesamt 15 große Genossenschaften sind hier tonangebend. Dazwischen keimt eine neue Qualitätsphilosophie und immer mehr privat bewirtschaftete Güter setzen sich hier mit ihrem Qualitätsanspruch durch.

DOCs Encostas de Aire, Alcobaça, Lourinhã, Óbidos, Alenquer, Arruda, Torres Vedras

Rota da Vinha e do Viho do Oeste
Rua Direita
2510 Óbidos
Tel.:+351-262 955 060
Fax:+351-262 955 061
E-Mail

Innerhalb der Estremadura ist Encostas de Aire die größte Subregion und Lieferant von leichten hellen Rotweinen und spritzigen fruchtbetonten und aromatischen Weißweinen überwiegend aus der Produktion von Genossenschaften.

Direkt an der Küste gelegen wird Alcobaça von eher kühlem Klima beherrscht. Der Weinanbau dieser Zone arbeitet im Wesentlichen als Zulieferer für die Branntweinwirtschaft, die hier den typischen Aguardente herstellt.

Ebenfalls direkt an der Küste schließt sich Lourinhã an, ebenfalls eine DOCRegion für Aguardente. Auch die Weinproduktion des östlichen Nachbargebietes Óbidos fließt in die Destillation. Der größte Teil der Ernte wird hier von zwei Genossenschaften übernommen.

Die Weinberge, die sich zu Füßen der Serra Montejunto bis zur Küste erstrecken, sind Teil der dynamischen Region Torres Vedras und liefern leichte, trockene Weißweine, auch bekannt als Vinho Leve. Vereinzelt findet man hier auch Rotwein.

In der Landschaft rund um die Stadt Alenquer gedeihen mit die besten Rotweine der Estremadura. Das gleichnamige Gebiet liegt hinter den Kalksteinhügeln der Serra Montejunto, geschützt vor den rauen atlantischen Winden. Beim milden Klima haben die Trauben reichlich Zeit auszureifen und ergeben konzentrierte und kraftvolle Weine. Unter den Winzern hier herrscht Aufbruchstimmung, eine neue Qualitätsorientierung ermutigt zu vielversprechenden Experimenten.

Vor den Toren Lissabons, direkt am Tejo, liegt das kleine Gebiet Arruda, eine verträumte Landschaft mitten in den Hügeln. Eine alte Burgruine, von Römern angelegte Straßen und einzelne Windmühlen geben diesem Gebiet einen fast märchenhaften Anstrich. Die Trauben, überwiegend rote Sorten, gedeihen hier in geschütztem Klima und ergeben saftige, konzentrierte und tiefrote Weine.

DOCs Bucelas, Colares, Carcavelos

Rota dos Vinhos Bucelas, Carcavelos e Colares
Câmarra Munuicipal de Loures
Rua Dr. Manuel de Arriaga 4-2
2674-501 Loures
Tel.: 351-21 982 6960
Fax: +351-21 982 3102
E-Mail

Das kleine Anbaugebiet Bucelas hatte einst eine historische Bedeutung für den Wein – 1970 war es nahezu ausgestorben, aber mittlerweile ist es wieder zum Leben erwacht. Sechs überaus ambitionierte Winzer haben hier insgesamt 300 Hektar Rebfläche angelegt und mit der Arinto-Rebe bestockt, einer Traube, die sich in diesem Mikroklima besonders wohl fühlt. Ihre Weine werden jetzt bereits zur Spitze der portugiesischen Weißweine gezählt. Arinto-Weine entwickeln sich am besten nach zwei, drei Jahren Reifezeit und präsentieren sich dann mit Komplexität und Finesse.


Ein weiteres kostbares Fundstück der Estremadura ist Carcavelos, ein kleines Gebiet westlich von Lissabon, das von der Großstadt leider immer mehr eingenommen wird. Es ist ein ungleicher Kampf. Die Kellereien versuchen hartnäckig, nicht nur den drohenden Fangarmen der Stadt, sondern auch dem Tourismus zu widerstehen, der sich hier an der Westküste immer schneller entwickelt. Der Dessertwein der Region, ein Wein mit leuchtender Bernsteinfarbe und angenehm süßem, rosinenartigem Aroma, wird hier von zwei Winzern erzeugt, die ihre 20 Hektar großen Weinberge mit Beharrlichkeit und der nötigen Portion Leidenschaft bewirtschaften.

Die Rotweine des kleinen Gebietes werden überwiegend aus der Rebsorte Ramisco erzeugt. Ramisco wird nur noch in Carcavelos angebaut und ist im übrigen Portugal nahezu ausgestorben. Bedauerlich, denn die Traube ergibt gut balancierte Weine mit eleganter Struktur und einem soliden Alterungspotenzial. Doch selbst hier schwindet ihre Rebfläche immer mehr, nur noch rund 10 Hektar sind heute mit Ramisco bestockt. Die Reben müssen auf den Sanddünen bis zu acht Meter tief eingegraben werden, damit sie in den tiefen Kalksteinschichten Halt finden. Diesen Weg muss die Rebe mit ihrem Wachstum wieder zurücklegen, dann erst werden die Löcher nach und nach wieder aufgefüllt. Die Arbeit ist kräftezehrend und hat unter den Winzern in der Vergangenheit ihren Tribut gefordert. Sobald sich die ersten Fruchtansätze zeigen, werden die Reben an langen Bambusstöcken aufgerichtet, damit die Trauben frei hängend gut durchlüftet und so vor Feuchtigkeit und Fäule geschützt sind. Hohe Bambuszäune schützen vor den salzigen Atlantikwinden. Doch nach und nach müssen auch sie durch widerstandsfähigere Plastikzäune ersetzt werden.

Daten und Fakten

Gesamtrebfläche: 31.000 Hektar. Estremaduras Weinproduktion 2004 lag bei 1.233.000 Hektolitern. Das entsprich einem Anteil von 17 % an der Gesamtproduktion des Landes.

Der größte Teil der Weine wird als Vinho Regional Estremadura auf den Markt gebracht. Die Bestimmungen für Vinho Regional Estremadura gelten als verhältnismäßig liberal. Die Liste der empfohlenen
Rebsorten umfasst je 30 rote und weiße Sorten. Die DOC-Bestimmungen fallen deutlich strenger aus.

 
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