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Andrea Siebert, Dipl.-Biologin

Der Atlantik in der Badewanne

Ob Überzeugungsfrage oder Modeerscheinung: Ihren Erfolg verdanken Thalassotherapie und Meerwasserkosmetik den spürbar heilsamen Einwirkungen des Meeres auf den menschlichen Organismus. Meerwasser enthält über 80 Mineralien und Spurenelemente in ihren natürlichen Komplexverbindungen, wie sie in ähnlicher Form und Zusammensetzung auch in menschlichem Blut und den Körperflüssigkeiten zu finden sind. Bei der äußerlichen Anwendung wirken zusätzlich noch die entzündungshemmenden und hautwirksamen Effekte des Meerwassers.
Dieser Text wurde am 25.10.2002 als Pressemitteilung von Marisol durch Andrea Siebert veröffentlicht. Der Nachdruck erfolgt mit freundlicher Erlaubnis der Autorin.

Meersalz als Medizin

Zusammengefasst werden medizinisch-kosmetische Meerwasser-Anwendungen unter dem Begriff „Thalassotherapie“ (griech. thalássios: zum Meer gehörig). Dazu muss man nicht unbedingt an den Strand: Thalassozentren, Wellness-Hotels und Kosmetik-Institute bieten Meerwasserkuren und für zuhause gibt es vom Badesalz bis zur Pflegeserie eine Reihe von Produkten auf „Meeresbasis“. Das einfachste und für empfindliche Haut unproblematischste Mittel ist dabei das Meersalz selbst. Man sollte aber darauf achten, dass es – wie das Salz der portugiesischen Ostalgarve – naturbelassen, nicht raffiniert und frei von Schadstoffen und künstlichen Zusätzen ist.

Wissen der Antike

Schon in der Antike wusste man die therapeutische Wirkung von Meersalz zu schätzen: Der griechische Arzt Hippokrates (460-377 v.Chr.) verwendete und lehrte Methoden zur Behandlung von Entzündungen, Wunden, Hauterkrankungen, Rheuma und Ischias durch Umschläge, Inhalationen sowie Kalt- und Warmwasserbäder mit Meerwasser. Und Plinius der Ältere (23-79 v.Chr.), römischer Staatsmann und Gelehrter, unterscheidet in seinem berühmten Werk zur Naturgeschichte gar zwölf Sorten Meersalz für unterschiedliche Anwendungen. Detailliert beschreibt er meersalzhaltige Heilmittel und ihren Einsatz, zum Beispiel bei „fressenden und unreinen Geschwüren“, Hüftschmerzen, Warzen, „Wassersucht“ und Darmverstopfung.

Thalassotherapie heute

Lange Zeit in Vergessenheit geraten, werden diese Kenntnisse heute wieder genutzt. Dabei kommt es vor allem auf zwei Faktoren an – dieselben, die auch den Aufenthalt an der See so heilsam machen: das Baden im Salzwasser und die beständige Aufnahme von feinst verteilten Meerwassertröpfchen mit der Atemluft. (Dieses Aerosol entsteht durch das Zusammenspiel von Wind und Brandung.) Entsprechend setzt die moderne Thalassotherapie auf Bäder und Inhalationen mit Meerwasser. Wertvolle Dienste leistet Meersalz auch in der Naturkosmetik, für hautstraffende Hand- und Fußbäder, die Zahnpflege und als Grundlage für Peelings, Masken, Cremes und Haarpflegemittel.

Anwendungsbeispiel: Bäder

Zum Baden wird das Wasser auf Körpertemperatur erwärmt, damit die Haut die gelösten Mineralien und Spurenelemente besser aufnehmen kann. Ein Meerwasserbad strafft die Haut und regt den Kreislauf an. Dies stimuliert den Zellstoffwechsel und damit nebenbei auch die Fettverbrennung. Die anregende Wirkung steigt mit der Salzkonzentration. Um dem Salzgehalt des Meerwassers von durchschnittlich 35 Gramm pro Liter nahe zu kommen, sind für ein Vollbad von 80 bis 100 Litern 2,7 bis 3,5 Kilogramm Salz nötig, für ein Teilbad entsprechend weniger. Stärker konzentrierte Sole, bis zu 80 Gramm pro Liter Wasser, bringt bei Hauterkrankungen wie Schuppenflechte Linderung. Bei Herz-oder Kreislaufproblemen sollte man vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen und mit einer geringen Salzkonzentration von ca. einem Kilogramm pro Vollbad beginnen, die man vorsichtig steigert.

Anwendungsbeispiel: Inhalation

Beim Inhalieren wirkt Meerwasser als Aerosol, das die Schleimhaut der Atemwege befeuchtet und ihre Durchblutung verbessert. Zusätzlich gelangen die wertvollen Inhaltsstoffe über die Mund- und Nasenschleimhaut in den Lymphkreislauf und werden im Körper verteilt. Zuhause lässt sich das Inhalat aus Meersalz und heißem Wasser leicht selbst herstellen, wieder im Verhältnis von 35 Gramm Salz pro Liter Wasser. Zusätzlich können dem Salz auch ätherische Öle bzw. darauf basierende Fertiginhalate zugegeben werden. Sie müssen stets nach Vorschrift dosiert werden; im Zweifelsfall lieber weniger als mehr nehmen. Inhalationen sind hilfreich bei Atemwegsinfekten, wie sie in der kalten Jahreszeit häufig auftreten, und können zusätzlich zur Medikation angewendet auch bei chronischen Beschwerden Linderung bringen.

Anwendungsbeispiel: Sole-Trinkkur

Beim Trinken von Meerwasser werden die enthaltenen Mineralien und Spurenelemente über den Verdauungstrakt aufgenommen. Will man Sole selbst herstellen, löst man gut drei Gramm naturbelassenes Meersalz in 0,1 Liter mineralarmem Wasser. Dabei ist Quellwasser kalkhaltigem Leitungswasser vorzuziehen. Wichtig: Meerwasser muss stets im Verhältnis 1:2 mit Wasser, Tee oder Saft verdünnt werden! Von der verdünnten Sole sollte man täglich nicht mehr als 0,2 Liter, also etwa ein Wasserglas voll, zu sich nehmen. Kurmäßig über mindestens drei Wochen angewendet, entschlackt eine solche Trinkkur den Körper, regt den Stoffwechsel an und unterstützt die entgiftenden Funktionen von Nieren und Leber.

Copyright Marisol

 
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